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bubble bubble bubblepad

aquadrome bubblepad Julia Znoj

Eröffnung:
Samstag, 17. Juli 2021, 14–18 Uhr

19. Juli – 22. August 2021

aquadrome bubblepad
von Julia Znoj

eröffnung: samstag 17. juli und sonntag 18. juli 2021, 14:00 – 18:00
ausstellung: 19. juli – 22. August 2021
öffnungszeiten: samstags, 14:00 – 18:00 oder mit anmeldung

Anekdote

Als ich als Kind das zähflüssige Innere einer Muschel sah, blieb ich adjektivlos. Ihre Formlosigkeit liess es so erscheinen, als ob es auf mich zurückstarrte, wie ein geistiges schwarzes Loch. Ich ahnte nicht, dass mich nur wenige Jahre später ein weiteres geistiges schwarzes Loch zwischen meinen Beinen er- warten würde. Ein Körperteil, so abstrakt, dass ich immer noch nicht weiss, wie es genau aussieht.

Die kleine Puppe

Polly Pocket ist die gute Bürgerin, ganz wie ihre makellosen Puppenkolleginnen. Aber sie ist klein! Win- zig! Sie ist so gross wie ein Daumennagel, ein Nasenloch, ein Ohr kann ihr Balkon sein, und sie wohnt
in einem muschelartigen Bausatz, der sich in einer Tasche verschliessen und mitnehmen lässt. Pollys Extremitäten sind zu winzig, um beweglich zu sein, daher ist sie in ihrer pastellfarbenen Plastiklandschaft unheimlich unnütz und ungreifbar. Sie hat in der Regel ein bis drei Einbuchtungen, in die man sie ein- pflanzen könnte, damit sie stillsteht. Dort wird sie dann zu einem unbeweglichen Bild und ihre Gedanken sind das Spiel.

Ihre Hülle wurde einem Schminkset nachgebildet, das üblicherweise einen Spiegel enthält. Doch anstelle eines Spiegels reflektiert sie ihr Inneres zur Spieler*in zurück. Eine Miniaturwelt übernimmt das Gesicht der Spieler*in wie ein Makroparasit. Die sonst mehrdeutigen Augen der Spieler*in werden zu Pollys Pokerface der fotogenen Mädchenhaftigkeit. Durch extreme Niedlichkeit verwandelt sie die Spieler*in in einen Vampir ohne Spiegelbild.

Innen – Definition

Gedanken – Ängste – tektonische Bewegungen – Ungedanken – Emotionen ohne Vokabular – eine Kolo- nie von Schmetterlingen im Bauch und die Sprache, die sie sprechen, die wir nicht verstehen. Im Inneren ist die Schwerkraft, eine Regel, die immer gilt, nicht mehr vorrangig. Das Innere ähnelt flüssigem Queck- silber, wie wenn ein analoges Thermometer zerbricht und der Inhalt sowohl ausläuft als auch herausfällt, weil er gleichzeitig flüssig und hart ist und die Angst auslöst, sich zu vergiften. Wir suchen nach Definitio- nen, aber unser Inneres ist im Fluss und Definitionen gehören nach aussen.

Aussen, Äusseres, Haut, Baumrinde, Simulakra, Oberfläche, Schild – Definition

Äusserlichkeiten sind unvollkommene Formen. Sie sind unsere Körper, unsere Vehikel, um uns an Orte zu bringen, um anderen Körpern zu begegnen und wenn wir uns gut benehmen, unsere Fingerspitzen
in ihr Inneres zu tauchen. Manche Muscheln sehen aus wie ein mit Kuchenstreuseln überzogener Ton- klumpen, der in Lava getaucht und dann langsam, über Jahrtausende hinweg, von Moos bedeckt wird. Referenzen, Dinge! Wen kümmert‘s! Formen sind in der Tat porös, wenn eine Welle über sie kommt, könnten sie sich sehr wohl auflösen. Äusserlichkeiten geben vor, uns zu tragen, uns zu präsentieren, uns zu vereinen, uns untereinander zu unterscheiden. Sie geben vor, ein Damm nach innen zu sein, aber sie sind nicht so gut in dem, was sie tun, und wir wollen sowieso, dass die Dinge überlaufen und uns bis zur Grenzenlosigkeit blenden.

aquadrome bubblepad

In aquadrome bubblepad zeigt Julia Znoj zwei zentrale Werkgruppen – Muscheln, meist geschlossen, und an anderer Stelle Objekte, die dem Inneren von Muscheln ähneln könnten. aquadrome bubblepad ist die Flüssigkeit und Dicke des Wassers, das die Grenze von einer zu vielen vagues (vague bedeutet Welle auf Französisch) bildet, denn das Wasser umhüllt seine Objekte, macht Falten und bewegt sie im Gleich- klang.

text: Julija Zaharijević