and then I got distracted Cathrin Jarema

Eröffnung:
Samstag, 27. August 2022, 17–21 Uhr

28. August – 08. Oktober 2022

Input: In der Antike war es offenbar üblich in der Hoffnung auf Heilung, Erkenntnis oder kryptische Orakelsprüche in Tempeln zu schlafen – manchmal sogar viele Leute gleichzeitig, um ihre Träume zu synchronisieren. Sicher, wir glauben, dass wir diesen Aberglauben und die psychoanalytische Traumdeuterei hinter uns gelassen hätten. Aber andererseits: Vielleicht ist ja etwas dran?

Wir liegen wach. Zusammen alleine. Schlafen ist mystisch. Es ist Alchemie. Es ist Magie. Wir transzen- dieren. Die ganze Welt schreitet voran, während wir inert scheinen und umgekehrt. Lasst uns in Richtung kollektiven Träumens bewegen. Wir können uns gemeinsam an die Geschichten erinnern, sie erzählen, neu erfinden und nacherzählen. Lasst uns die Objekte, auf denen wir unsere Häupter betten, von den Einschränkungen der Privatsphäre befreien. Lasst uns Intimität in Momenten des kollektiven Träumens finden, in den Momenten, die die Transzendenz streifen.

Input: Während schweren Zeiten – biblisch schweren Zeiten – sind Backwaren Symbole. Es sei daran erinnert, wie die Israeliten auf der Flucht vor dem
Pharao ins Heilige Land nicht genug Zeit dafür hatten, das Brot aufgehen zu lassen. Dennoch: Es war ein Moment der Zusammengehörigkeit, ein Moment an welchen bis zum heutigen Tag eine Gruppe von Menschen eine Erinnerung über etwas scheinbar so Triviales wie das Produkt des Backens teilt. Heute wird die historische Mühsal und ihr wundertätiges Ergebnis durch Platzhalter zelebriert. In guten Zeiten, nutzen wir also Symbole, praktische Eselsbrücken, um darauf hinzu- weisen wie wir zu fühlen haben. Torten können beispielsweise Zeichen für Feier- lichkeiten sein, Momente der glücklichen Zusammengehörigkeit kennzeichnend.

Ich bin begeistert. Alleine zusammen. Backen ist mystisch. Es ist Alchemie, Es ist Magie. Die Herstellung süsser, wohlschmeckender Nahrungsmittel aus einem Haufen von einzeln ungeniessbaren Zutaten. Ich arrangiere meine freudigsten Ereignisse um von Hitze und uralten Bakterien aufgeblähten Teigklumpen mit zuckriger Handwerkskunst herum. Und dann wurde ich abgelenkt, während ich in der oberflächlichen Zusammengehörigkeit dieser Feier existierte. Ich vergass den Grund für die Feier. Plötzlich erinnerte ich mich daran, woran ich gestern dachte, als ich nicht einschlafen konnte, von Insomnie heimgesucht. Während ich in meine Gedanken abschweifte, erschien alles um mich herum falsch: die Menschen, ihr künstliches Verhalten, sogar die Realität in der ich mich bewege, die Gebäude, die Möbel, die Schatten und die Strukturen – absolut alles.

Cathrin Jarema, *1989, lives and works in Zurich and Brussels

Installation View from Cathrin Jarema “and then I got distracted”
Installation View from Cathrin Jarema “and then I got distracted”
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